Masturbathron

by Klirre

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about

This album can be understood as a hybrid form of publication. To enjoy the publication in its whole form, please start by listening to the first song, click on "lyrics" and then read the story, to which the songs were written. Each song contains one chapter of the story.

credits

released February 10, 2017

This project formed during a class at the FH Potsdam. I had to write all songs in more or less six weeks. So rather view it as a project of time, stress and learning to write music in general, than actual finished and polished songs.

Story by Rudi Nuss – friore.wordpress.com
Cover Artwork by Mario Hamborg – mario.hamborg.eu

All songs were composed on a Gameboy Color, using Nanoloop 1.7.
For recordings I used a Gameboy Classic and Behringer U-Control.

Thanks go to:

Franziska, for actually letting me write music on a freakin' Gameboy for class;
Rudi, for letting me use this really nuts and awesome story;
Jonathan, for helping me recording and "post production";
Triac, for always being an honest critic, even though I didn't show you much of this before release;
Mythra, for proofreading the translated version of the text;
my parents and brother, for always supporting me;

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about

Klirre Berlin, Germany

I make music.

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Track Name: Die zentrale Wasserfilteranlage
– scroll down for english –

0.1
Der Mythos besagt, dass die zentrale Wasserfilteranlage von Any County älter sei als die Menschheit. So gibt es keinerlei Aufzeichnungen über sie, niemand weiß, aus welcher Quelle sie ihr Wasser bezieht oder wer sie gebaut hatte. Aber alle Menschen im Trailerpark drum herum füllen ihre Wasserkanister Abend für Abend an dem großen stählernen Monolithen.
Einige behaupten, eine Alienzivilisation hätte den Wasserfilter hier platziert und dann sei das Leben entstanden und irgendwann Wohnmobile und mit ihnen unsere Zivilisation.

––––––––

0.1
According to myth, the central water filter of Any County is older than human kind. There are no records of its origin. Nobody knows where the spring of water lies or who built it, but every resident fills their canister with water from that big steely monolith.
Some say an alien civilization placed the water filter here, and with it life emerged. Sometime later came the trailers and with them, our society.
Track Name: Nach oben steigendes Chlor
– scroll down for english –

0.2
Eines Nachts erwachte ich und musste kotzen, denn es erschien wieder dieser penetrante Mief. Ich erzähle Ihnen jetzt von diesem Mief.
Es war ein Geruch – sporadisch auftretend – nach Verwesung, Tod und Kacke, kontinuierlich stinkender. Ich saß auf der Couch und dachte über mein Leben nach. Draußen schrie jemand Feuer, aber das kümmerte mich nicht. Es war heiß und zu dieser Zeit, da fangen die Trailer in der Hitze an aufzubersten und Feuer zu fangen. Gestern sah ich bspw. einen, die Innenseite war nach außen (über das Dach) gewölbt, mit allem, was an den Wänden hing, leicht angekokelt: ein Schränkchen mit Gewürzen und so, hing alles raus …
Als ich da stand und mir diese verbogene Innenseite ansah, da hatte ich das Gefühl, knapp über einer kugelförmigen Spiegeloberfläche verschwommen im Hitzeflimmern zu schweben. Und hinter mir ist noch eine Spiegelsphäre. Und sie reflektiert nur das Spiegelbild von tausend anderen Sphären und die wahrhaftig echten Bilder sind irgendwo zwischen den Sphären, ununterscheidbar von den Brechungen.
Aber wieder zum Geruch: Ich saß also auf der Couch in meinem Trailer, der auf zwei anderen Trailern gestapelt aufliegt und die gemeinsam durch eine angeschraubte Leiter zusammengehalten werden. Auf der Herdplatte köchelte eine Nudelsuppe vor sich hin und da kam der Gestank wieder hoch, trotz der zahlreichen Duftbäumchen, die ich bei mir aufgehangen hatte (ich hatte einen kleinen Wald). Da ich herausfinden wollte, woher dieser Mief kam, stieg ich über die Leiter hinunter zu Selters, die einen Trailer unter mir wohnte.
Von Selters lernte ich viele Dinge. Sie legte großen Wert auf ästhetische Elemente; so dass sie das Minimum an Materialität um sich herum scherte, keinen Millimeter zu viel, alle Kanten ihrer Dinge waren Linien, von ihrem Zentrum her flüchtend. In Punkt-Symmetrie: ihr eines Paar Socken, ein Kissen, keine Decke, eine Hose, wie viele Unterhosen, weiß ich nicht, zwei Tassen, zwei Löffel; zum Tee machen für sie und einen Gast. Sie machte grandiosen Tee. Sie gab sogar Teekurse in einem der Gesellschaftscontainern ab; in vollkommenen Schweigen.
Sie haben es sicherlich schon erahnt – es war Selters Leichnam, der so stank. Ich bin niemand, der gerne viel Spannung aufbaut. Ihr Leichnam lag nackt in der kleinen Chemiedusche mit den Beinen herausragend, den gesamten Bauchraum aufs brutalste aufgerissen und – soweit ich das beurteilen konnte – fehlten so ziemlich alle Organe. Also die im Brustkorb. Ich hab mal gehört, die Haut sei auch ein Organ, aber irgendwie verstehe ich das nicht. Der Kackegeruch kam von an den Wänden verschmierten Fäkalien, aber was das bedeuten sollte, keine Ahnung.
Nachdem die Leichenreinigung vor Ort war, roch es die nächsten Tage in meinem Zimmer nach aus Selters Mobil nach oben steigendem Chlor.

Scheinbar war das nicht der einzige Mord mit Organraub in letzter Zeit in Any County. Viele verschiedene Leichen, viele verschiedene Organe.

–––––

0.2
One night I woke up and vomited – once again that smell had appeared. The smell of death, shit and decay. I was sitting on my couch, thinking about my life. Outside someone screamed Fire! but I didn’t care. It was hot, and at that that time of day the trailers start to burst and combust in the heat. Yesterday I saw one, the inside curved (above the roof), with everything hanging on the walls, slightly burnt: a small cupboard, all hanging out …
As I looked at the twisted innards of the trailer, I felt as if I was levitating above a spherical surface of a mirror, blurred in the looming heat. And behind me: another mirror sphere. It reflects the image of another thousand mirrors. The real images are somewhere in between the spheres, indistinguishable from the reflections.

Back to the smell: I was sitting in my trailer, that was attached to another two trailers, connected by a ladder. On the hotplate a little cup of noodle soup was boiling und the smell appeared, despite all the tree-shaped air freshener (I had a small forest). I wanted to know where the smell came from, so I climbed the ladder down to Selters’, who was living beneath me.
I learned a lot from Selters. She maintained a radical minimalism, the aesthetic of the necessary. There was not a millimeter too much; the edges of her belongings formed lines, radiating from the center of her being. In point symmetry: her pair of socks, one pillow, one blanket, a pair of pants, how many panties, I don’t know, two mugs, for making tea for her and a guest. She made great tea. She even gave tea classes at the community containers, in complete silence.
As you might have already guessed, it was the body of Selters, that smelt so horrible (I’m not a big fan of building up tension). It was lying in the chemical shower, her legs poking out, the whole abdomen torn open and – as far as I could see – all organs were missing. I’ve heard the skin is called an organ too, but I still don’t understand that. The walls in Selters trailer were smeared all over with fecal matter, but I didn’t understand that either.
It seems she was a victim of a series of murders and organ thefts here in Any County. Many different bodies, many different organs.
Track Name: Abschiedsbriefe
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0.3
Ich schaute mir Selters Avalon_Profil an. Ich hatte auch so eins; hab mir einen Avatar eingerichtet und meine eigene kleine virtuelle Insel – zur räumlichen Darstellung von Daten.
Selters Insel war voller verlassener Plattenbauten, was mich verwunderte, da ich die Option für mehrstöckige Gebäude nie im Editor gefunden hatte. Manche behandeln ihre Insel wie einen blog, andere nutzen sie als Rückzugsort, andere aber arbeiteten an ihr, wie an einem Kunstwerk und Selters gehörte definitiv zur letzteren Sorte. In jedem Raum der Platte waren Links zu Profilen von Usern, deren Onlinepräsenz noch da war, aber die sich umgebracht hatten, sodass ihre letzten Updates jeweils Abschiedsbriefe waren. Meistens relativ junge Personen, deren Eltern sie nicht akzeptieren wollten.
Es waren hunderte Räume in pastellfarbener Solidarität; ich habe sie mir alle angesehen.

–––––

0.3
Selters used to have one of those AVA:LON blogs in the shape of an island, a virtual, three-dimensional display of data. Selters AVA:LON contained a plattenbau, filled with the abandoned blogs of mostly young people, that have killed themselves, because their parents didn’t accept them, leaving suicide notes as last blog posts.
There were hundreds of them, in pastel coloured solidarity. I looked through all of them.
Track Name: Staub auf den Knien
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0.4
Aus dem kleinen Fenster über dem Herd starrte ich hinaus in die untergehende Sonne und das orangene Farbspiel auf den Scheiben des Trailerparks. Es war keine verschissene Wolke am Himmel.
In der Ferne explodierte ein letzter Wohnwagen für den Tag und die brennenden Fragmente verteilten sich im Himmel. Eine gerahmte Fotografie durchschlug sogar mein Fenster. Es war ein lächelndes Mädchen in einem Kleid mit Erdbeermuster. Obwohl ich das Kind nicht kannte (und es vielleicht gerade explodiert war), hing ich mir ihr Bild an die Wand.
Am nächsten Tag war der Wasserfilter demoliert. Einige Bewohner erzählten mir, dass eine Gruppe von Menschen den Filter zerstörte, weil sie befürchteten, die Maschine steckte hinter dem Organraub. Die Wesen, die den Wassermonolithen hier her gebracht haben sollen, würden uns jetzt als Biomaterie abernten; nachts kriechen sie unter den Trailern herum und reißen unsere Bäuche auf.
Die Wasserrichtlinien sind streng, ohne den Filter wird Any County bald komplett ausgedörrt sein. Egal wer oder was die Organe haben möchte, sollte sich lieber beeilen … Mit etwas Glück überlebe ich mit meinen Wasservorräten noch drei Wochen. Klar könnte ich mich mit Leuten aus der Gemeinde zusammenschließen und einen Plan ausklügeln. Aber ich habe echt keine Lust mit irgendwem zu reden.
Ich erinnere mich an einen gemeinsamen Abend mit Selters. Wir tranken Tee in ihrem violetten Trailer und sahen etwas Fern zusammen, es lief eine Doku über die Verwendung von Fritteusen in verschiedenen Teilen der Welt. Ohne ein Wort zu sagen, saßen wir einfach neben einander, aßen und tranken. Stunden um Stunden. Tage. Es lag Staub auf meinen Knien.

–––––

0.4
As a last trailer explodes in the orange of the sunset (there was no fucking cloud), a photograph of a little child in a strawberry dress smashed through the window of my trailer. Though I didn’t know that child - and it probably just exploded - I hung it on my wall …
The next day the water filter was destroyed. A few residents demolished it, fearing the machine was behind the organ thefts. The creatures, that placed the water filter in the desert, would now harvest the resulting biomass. In the night they come, ripping our bellies open.
Soon Any County will be dried out. The water directives are strict. Whoever wants these organs, should hurry up, or there will be nothing left than dried up remains. With luck I survive the next three weeks with my water cushion; of course I could team up with the other residents and elaborate a plan. But I really don’t feel like talking to someone.
I remember one evening with Selters. We drank tea in her purple trailer, watched some TV, a documentary about the usage of deep fryers around the world. No word was spoken, we just sat there, ate and drank, for hours, days. There was dust on my knees.
Track Name: Der Masturbathron
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0.5
Als ich nachts schlafen ging, da sah ich sie im Halbschlaf: Lagerhallen. Ich sah, wo die Organe endeten. Ich sah ein Gebäude, grau in Mitten der Tundra, ein massiver Block, kilometerlang. Und in ihm weite, gläserne Regale, mit fein säuberlich aufgereihten Nieren, Herzen und Lungenflügeln. Alle mit exakt gleichem Abstand zueinander. Wer es war, der die Organe fein säuberlich ordnete, konnte ich nicht sehen. Aber irgendwo im Zentrum der Halle war ein gläserner Thron. Ich sah den Thron und ich sah eine masturbierende Person im Bademantel darauf sitzend, deren Gesicht ich hinter der verspiegelten Maske nicht erkannte. Und in der Spieglung sah ich zwischen den Regalen auch mich: Mein Bauch aufgeschlitzt – ich sah an mir herunter und befasste die herunterhängenden Darmteile. Und da erkannte ich es: diese riesige Halle, all die Toten und Organe – das alles war nur ein absoluter Mega-Fetisch. Die Person hechelte, starrte mich unter ihrer Maske an und ejakulierte vom Thron hernieder in meinen aufgerissenen Bauchraum.
Ich wachte verschwitzt und richtig feucht aus dem Traum. Geschockt von meiner eigenen Erregung machte ich mir einen Instantkakao und schaute aus dem Fenster auf den durch Fernseher blau erleuchteten Trailerpark. (Außer aus Selters Mobil, da kam rosa raus. (Und die Sterne, sie sind farblos über Any County.))

–––––

0.5
One night I had a dream, I saw the depot. I saw where the organs ended up: A giant transparent archive with all the organs, kidneys, hearts, lungs, neatly displayed on shelves made of glass.In the center of the array: A throne, and on that throne a person in a bathrobe, masturbating. I couldn’t see their face behind the mirrored mask. And in that mask I saw the archive, the shelves and myself – my belly cut open, I touched my intestines. And than I realized: the archive, all the deaths and organs – it was all a mega fetish. The person panted, stared at me behind their mask and ejaculated from the throne into my open belly.
I woke up all sweaty and wet. Shocked by my own arousal I made myself a instant cocoa and looked out the window on the trailer park, glowing blue. (Except for Selters’ trailer, it radiated purple. (And the stars, they are colourless above Any County)).
Track Name: Nicht Premium
– scroll down for english –

0.33 …
In meinem Avalon, da habe ich mir die schönsten Bäume hingestellt, die ich mir in der Nicht-Premium-Version holen konnte. Und ich habe mir ein kleines Häuschen eingerichtet; mit kleiner Veranda, mit karierten Vorhängen in den Fenstern. Und manchmal lege ich mich auf den Holzboden und höre mir das Kamingeknister an und schlafe

–––––

0.33 …
My AVA:LON consists of a small wooden cabin. I’ve got all the trees you can use in the non-premium-version. A small house with a verandah and plaid curtains. And sometimes I lay myself down on the wooden floor and sleep